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Zu dumm zum fernsehen
Rundbrief vom 11.06.2007

Es war vor einigen Wochen, da blieb ich nachts alleine auf.
Ich räkelte mich gemütlich auf der Couch und dachte so:
"Ach, könntest doch mal was nettes im Fernseher anschauen".

Für solche Fälle habe ich immer ein paar Videokassetten
vorbereitet, denn wenn man gerade mal Lust hat, kommt ja nie
was Ordentliches.

Ich sah mir also eine unterhaltsame, witzige amerikanische
Arztserie an.

Aber irgendwie kam keine gute Stimmung auf.

Die Geschichte lief in etwa so:
Ein genialer Arzt bekommt zwei Jugendliche ins Krankenhaus
eingeliefert, die an lebensbedrohlicher Vergiftung leiden
und keiner weiss, warum eigentlich.

Nun schickt Dr. Supertoll seine zwei Lakaien (ebenfalls
tolle Ärzte) los, um heimlich(!) in den Häusern der
Jugendlichen zu suchen, was denn die Vergiftung ausgelöst
haben könnte.
Die Eltern sind natürlich derweil am Bett ihrer Kinder.

Gemeinsam wirft das phantastische Trio mit Fachbegriffen und
Fachwissen nur so um sich. Diese drei kümmern sich extrem
gut um ihre beiden Patienten.

Ein erster Behandlungsversuch scheitert leider.
Dann aber der rettende Einfall von Dr. Supertoll. Der eine
Junge wird sofort wieder gesund, beim anderen sträubt sich
die Mutter gegen noch einen Versuch.
Dr. Supertoll erörtert nun recht lange, dass ER hier das
studierte Genie ist und sie ja keine Ahnung hat und
überhaupt selbst Probleme und wohl nur am Sohn klammert. Er
habe jetzt das Gegenmittel und warte nur noch auf Ihr
Einverständnis, es dem Jungen zu geben. Oder Sie ist Schuld
an dessen Tod...

Zu "guter Letzt" willigt die Gluckenmama dann doch noch ein
und alles ist gut.

"Oha", dachte ich mir.
Das war keine Unterhaltungssendung, das war der reinste
Werbeblock. Anbei die wichtigsten Aussagen:

1.) Nur studierte Fachleute können helfen.
2.) Der normale Mensch ist unfähig, irgendwas zu wissen.
3.) Schulmedizin ist genial.
4.) Der Doktor ist ein Gott in weiss. Natürlich macht er
auch Fehler, aber keine so schlimmen.
5.) Jeder Kassenpatient erhält bei uns mindestens 3 Ärzte,
die rund um die Uhr nur für ihn da sind und alle, aber auch
wirklich ALLE Aspekte der Erkrankung bedenken.

Muss ich das noch kommentieren?

Und dann erkannte ich plötzlich, wie JEDE Arztserie eine
tolle Werbung für unser "Gesundheitssystem" und die
Schulmedizin ist. Sogar nicht ernst zu nehmende spassige
Sendungen haben im Hintergrund immer die Botschaft: "Hier
ist alles gut."

Also eigentlich ... schlauer könnte man seine Zuschauer wohl
nicht ... hypnotisieren, das ist wohl das treffende Wort.

Der Otto-Normalverbraucher schaltet seinen Fernseher ein und
denkt, jetzt kommt eine harmlose, witzige Geschichte und er
kann dabei einfach mal ein wenig entspannen.

In WIRKLICHKEIT läuft aber ein Programm, welches das
Weltbild des Zusehers maßgeblich beeinflusst.

"Dagegen bin ich immun."
So hörte ich mich selbst noch vor einiger Zeit sprechen.
Immerhin habe ich ein einigermaßen funktionierendes Gehirn,
wenn da einer kommt und mich manipulieren will, dann hat der
sich aber geschnitten...

Oh, welche Spitze der Arroganz.
Die Manipulation des Weltbilds läuft ganz nebenbei und
spricht direkt das Unterbewusstsein an.
Ganz ganz selten kann man den ein oder anderen Aspekt nun
vielleicht ansatzweise erkennen, so wie ich im vorliegenden
Beispiel. Aber da steckt noch mehr drin.

Diese Art der "Information" geht direkt an jedem noch so
klugen Verstand vorbei und nistet sich ohme Umwege im
Unterbewusstsein ein.

An jenem Abend habe ich erkannt, dass ich nichts erkannt
habe. Die einzig logische Konsequenz kann also nur sein, den
Kasten nicht mehr einzuschalten.
Denn ich bin schlichtweg zu doof, um den Änderungsversuchen
an meinem Weltbild zu widerstehen.

Damit wir uns klar verstehen:
JEDE Sendung beeinflusst das Weltbild des Zusehers.
Je ernster man die Beiträge nimmt, desto massiver die
Einwirkung. Besonders die "kulturell wertvollen" Sendungen
und "Nachrichten" sowie ernsthafte "Reportagen" verursachen
massivste Verdummungserscheinungen beim Zuseher.


Ein kleines Beispiel:
Mein Schwiegervater erzählte letztens von einer hochseriösen
Reportage und Dokumentation im zweiten Programm.
Man hatte ein Dorf aus der Steinzeit aufgebaut und ein paar
Familien sollten so leben wie damals.

Ich habe die Sendung natürlich nicht gesehen, den
Schilderungen meines Schwiegervaters zufolge wurde aber
dieses Bild vermittelt:

Früher lebten die Menschen unter harten Bedingungen. Das
Leben war ungemütlich und schwer. Die Werkzeuge waren
primitiv und ineffektiv - kurzum: Es war richtig scheisse.

Somit wird dem Zuschauer dieser ach so seriösen
Dokumentation vor Augen geführt, wie toll wir doch
heutzutage leben. Zentralheizung, Auto, Internet - ist das
nicht ein Paradies?
Ist das nicht alles viel besser als früher?

Wir haben ein Bild von "früher" gelernt und mit einer
solchen Sendung wird es fest zementiert.

Als einigermaßen freier Mensch wage ich aber heute einmal zu
fragen: War es "früher" wirklich so schlecht?
Wie lebten die Menschen eigentlich vor 2000 Jahren und vor
5000 Jahren? Wie lebten sie WIRKLICH?

Wer einmal logisch überlegt, kommt zu interessanten
Schlussfolgerungen, die ich in kommenden Rundbriefen nach
und nach einmal ansprechen werde.

Bis dahin bitte ich meine Leser inständigst:
Lasst den Fernseher aus - ihr könnt euch mit eurem Verstand
absolut nicht gegen die Manipulation abschirmen und ihr
werdet so zu einem Weltbild gezogen, dass wenig hilfreich
ist, um glücklich und frei zu leben.


thomas

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