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Wir basteln uns einen Feind
Rundbrief vom 20.09.2006

Liebe Kinder,

heute erklärt euch der liebe Thomas, wie man sich einen
Feind bastelt.

"Wie, einen Feind?" (fragt da schon der vorlaute Klausi)
"Ich brauch keinen Feind."

Ja, Klausi, du nicht.
Aber andere schon.

"Warum?"
Das ist eine gute Frage, Klausi.
Na schau mal - wenn man ein ganz ganz grosses Imperium hat
und da sind viele Leute dabei, dann braucht man
Gemeinsamkeiten.

Und wie die Vergangenheit zeigt, helfen da nicht nur schöne
Gemeinsamkeiten (eine gemeinsame Sprache, gemeinsame
Verhaltensregeln...), sondern auch scheinbar schlechte, wie
ein gemeinsamer Feind.

"Wie die USA und die Sowjetunion?!"

Ja, richtig, Pauli.

"Wie der Hitler mit den Juden?"

Ja, das war auch so eine Masche. Danke für den Hinweis,
Seppi.

"Ich will auch einen Feind!"

Na, so leicht ist es nicht, liebe Paula.
So ein Feind kommt ja nicht plötzlich irgendwoher. Den muss
man sich schön selber basteln.
Und heute erzähle ich euch, wie das so geht.


"Das ist langweilig!"

Na gut, dann erzähle ich euch eine Geschichte.

"Oh ja toll, eine Geschichte!!"

Also, es war einmal ein Papst.
Und der stammte aus Deutschland.
Und plötzlich war ganz Deutschland voll der Fan vom Papst.

"Warum?"

Das weiss ich leider auch nicht. Aber weiter: Der Papst kam
also nach Deutschland, in seine Heimat.

"Das ist nett!"

Ja, das fanden auch gaaaanz viele Leute und die haben ihn
dann besucht. Und der Papst hat ganz viele Reden gehalten
und alle haben ihm zugehört.

Aber bei einer Rede ist was seltsames passiert.

"Ui, was denn?"

Nun, ich war ja nicht dabei - aber in der Zeitung stand, der
Papst habe bei einer Rede irgend einen alten Kaiser zitiert,
der vor tausenden von Jahren mal etwas gegen Mohammed gesagt
haben soll.

"Wer ist Mohammed?"

Aber Paula, den kennst du doch. Das ist der Prophet vom
Islam.

"Wie Jesus bei den Christen?"

Soweit ich weiss, ja.

"War das böse, was der Papst gesagt hat?"

Naja, für uns westliche Menschen war das natürlich nicht
böse. Er hat ja nur jemanden zitiert. Er hat es also gar
nicht selbst gesagt und es war ja nicht seine Meinung.

Aber in anderen Ländern nahm man diese Aussage vom Papst
übel und hat begonnen, dagegen zu protestieren.

"Woher weisst du das?"

Das stand in der Zeitung.

"Und das stimmt?"

Gute Frage. Na, ich habe Bilder gesehen, von wütenden
Moslems.

"Wegen dem Papst?"

Ehrlich gesagt, das konnte man auf dem Bild nicht erkennen.
Man sah nur ein paar grimmig schauende Männer mit Bärten,
die irgendwie protestiert haben.

"Kann es sein, dass das Bild aus dem Zusammenhang gerissen
wurde oder schon 3 Jahre alt war?"

Ääh, ja.
Aber egal jetzt, ihr vorlauten Rotzlöffels - weiter im Text:

Also sagt man uns, dass ganz viele Leute in islamischen
Ländern jetzt total gegen den Papst sind.

"Aber der Papst ist doch so ein netter!"

Ja schon, gell. Also müssen die anderen wohl die bösen sein.
So ein unzivilisiertes Pack, unrasiert und schmuddelig und
immer bereit zur Gewalt.

"Bäh, die mag ich nicht."

Ja genau, Seppi, die mag jetzt bei uns keiner mehr.

"Dann haben wir jetzt einen Feind?"
Nana, Paula, so schnell geht das nicht. Aber du hast schon
recht - wir fangen an, einen Feind zu haben.

"Duuu, Thomas..."
Ja, kleine Annemarie?

"Du willst doch nicht sagen, der nette Papst habe da
absichtlich die Leute geärgert, damit die in unseren Medien
schlecht wegkommen, er gut, und wir uns einen Feind
züchten?"

Aber nein, Annemarie, das würde mir im Traum nicht
einfallen, so etwas auch nur anzudeuten.

Obwohl Fragen offen bleiben:

Liebe Kirchenanhänger,

ich habe zwei Möglichkeiten für euch:

1.) Der Papst ist ein netter, naiver alter Mann. Ihm ist
nicht ganz klar, was er sagt und wie er es sagt, er kennt
sich mit dem Islam nicht aus und weiss auch gar nicht, dass
wenn er öffentlich ein Anti-Mohammed-Zitat bringt, ihm das
Proteste einbringen wird. Ups.

2.) Der Papst ist ein kluger, erfahrener Mann. Im Vollbesitz
seiner geistigen Kräfte überlegt er sich genau, was er wie
sagt und welchen Effekt dies haben wird.
Er wählt absichtlich dieses Zitat, wohl wissend, dass die
westliche Welt darin nichts schlimmes erkennen kann. Wohl
wissend auch, dass in islamischen Ländern irgendwelche Leute
nur darauf warten, ihn absichtlich falsch zu interpretieren,
um ihren eigenen Feind zu züchten.
Wohl wissend, dass dies noch Stoff für viele Titelblätter
geben wird. Wohl wissend, dass ein gemeinsamer Feind der
Kirche nutzt.


Drehe es, wende es - so oder so, der Mann scheint für den
Posten nicht so ganz geeignet zu sein.
(Wenn man davon ausgeht, dass er ein friedliches
Kirchenoberhaupt ist, der sich ehrlich für Frieden einsetzt.
Geht man davon aus, dass er ein Imperium zu führen hat,
macht er seinen Job hervorragend!)


"Aber wie nutzt jetzt ein Feind?"

Eine gute Frage. Schau, Paula, wenn es jemanden gibt, von
dem du glaubst, dass er böse ist, dann ist das ein Feind.
Und was will man vom Feind?

"Dass er wegbleibt."

Ja, genau - aber was passiert, wenn dir einer sagt, dass der
Feind herkommt oder plant herzukommen?

"Dann muss ich ihn daran hindern!"

Du allein?

"Nein, wir alle!"

Das ist schön, dann seid ihr alle beschäftigt, alle
miteinander habt ihr ein Ziel und gehört zusammen.

"Und wem nutzt das?"

Na, eurem Führer.

"Ich brauche keinen Führer!"

Das stimmt. Bis ein grosser Feind kommt. Dann freust du
dich, wenn dich jemand beschützt. Der Führer soll das dann
machen. Und du wirst tun, was der Führer befiehlt.

"Aber den Feind hat der Führer doch selber gemacht!"

Ja. Ist das nicht witztig?

"Merkt das denn keiner?"

Schaut nicht so aus, wenn ich mir die aktuellen Schlagzeilen
in der Zeitung so anschaue...

"Die Menschen sind ja dumm!!"

Pass nur auf, kleiner Seppi, dass du nicht dumm bist.



Tja, liebe Kinder, das wars für heute.
Und das nächste Mal erzähle ich euch, warum ich bestraft
werde, wenn ich 10 Freunde dafür bezahle, das Haus meiner
Nachbarn zu überfallen, auszurauben, die Nachbarn zu töten
und selbst dort einzuziehen.
Gleichzeitig erzähle ich euch, dass wenn man aber 100.000
Freunde hat, die man für sowas bezahlt, dass man dann gar
nicht bestraft wird, wenn man ganze Länder überfällt.


Und ich erzähle euch, was das beste Mittel gegen
Gammelfleisch ist.

"Gar kein Fleisch essen?"

Haha, Annamarie, jetzt hast du mir die Pointe versaut.
Auf so viel Weisheit ist leider noch keiner unserer
Politiker gekommen und in keiner Zeitung konntest du das
bisher lesen.

"Aber das ist doch Baby-Einfach!"

Nana, Annamariechen, einfach ist gar nichts in dieser Welt.
Man braucht da viele Experten und Doktoren, die einem die
Welt erklären und Zeitungen, die das alles aufschreiben.
Und du brauchst Gesetze, und Leute, die die Gesetze
verstehen können oder wenigstens so tun und...


"Was machen Sie bei diesen Kindern!"
Wir quatschen bloss so Kinderkram.

"Hinfort, Unhold, Sie verderben unsere Kinder. Hier
Annemarie, hör nicht auf diesen Typen, iss lieber einen
Fruchtzwerg."

"Ist der Thomas jetzt unser Feind?"

"Ja."

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