Was ist eigentlich der Sinn des Lebens?
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Mein erster und letzter Job
Rundbrief vom 16.09.05

Ich liebe Geld.
Das wurde mir irgendwie so anerzogen.
Ich habe es gerne in der Hand, Scheine und Münzen. Ich mag
die Farben, das Gewicht oder wenn sich das Papier zu einem
Stapel presst... *schwärm*.

Und überall, wo echte Liebe herrscht, da gibts auch keinen
Mangel. Nein, mir geht es niemals aus.
Das war schon immer so. Als ich in der Grundschule war und
meine Kollegen meinten, sie seien wieder "pleite", da hörte
ich dieses Wort zum ersten Mal.
Ich bekam 50 Pfennig Taschengeld pro Woche - wie konnte ich
da jemals "pleite" sein?

So wurde ich älter und wuchs auf in einer Welt, die
irgendwie nicht so recht zu mir passen wollte. Ach, war das
alles verwirrend.

Das Thema "Geld verdienen" übte natürlich enorme Faszination
auf mich auf und so konnte ich es gar nicht abwarten, bis
ich endlich 16 wurde und arbeiten "durfte".

In den Sommerferien 1995 dann war es soweit: Ich hatte einen
Job ergattert in der örtlichen Buchbinderei. Vier Wochen
wollte ich dort mitschuften.

Die ersten Tage musste ich mich zunächst an diese fremde
Welt gewöhnen. Es war ein herrlicher, sonniger Sommer und
ich stand irgendwo in einer Fabrikhalle mit dicken alten
Frauen und armen Polen und packte Papiere auf einen Stapel.

Das gefiel mir nicht - jeden Tag stand ich ungerner auf.
Dann wurde ich abkommandiert an einer Maschine zu arbeiten.
Die Maschine spuckte unerbitterlich Papiere aus, die ich zu
stapeln hatte, doch die Maschine war immer schneller als
ich. Das gefiel mir auch nicht.

Langsam missfiel mir das alles irgendwie:
Jeder Tag wurde zur Qual, eingesperrt in einen Terminrahmen,
den mir andere vorgaben. Arbeiten wie eine Maschine für
jemanden, den ich gar nicht so gerne mochte.

Ich stumpfte ab, riss meine Stunden herunter und lernte,
dass mir alles egal zu sein hat, was zwischen Arbeitsbeginn
und Arbeitsende lag. Das ging eine Woche lang "gut". Dann
baute sich ein enormer Druck in mir auf.

Nach drei Wochen freute ich mich aufs Wochenende.
Ich war 15 Minuten früher gekommen und wollte 15 Minuten
früher gehen. Als ich am Gehen war, fuhr mich mein Chef an,
dass das so nicht funktioniere, ich könne nicht einfach
jetzt verschwinden.
Ich meinte, dass ich 15 Minuten eher gekommen sei.
"Mit der Arbeitsmoral brauchst du nächste Woche gar nicht
mehr kommen!" fuhr er mich an.
Darauf hatte ich nur gewartet (und daher diese Situation
absichtlich herbeigeführt, wie mir soeben klar wird).
Spontan sagte ich: "Alles klar, dann komm ich nicht mehr,"
drehte mich um und verliess die Halle als freier Mann.

Niemals werde ich jenen Augenblick vergessen, als ich aus
der dunklen, muffigen Halle ins helle, saubere Sonnenlicht
trete. Ein paar Arbeiter für die nächste Schicht kamen mir
entgegen und mir war klar, dass ich niemals wieder einer von
denen sein werde.

Egal ob schwitzend an einer Maschine oder buckelnd in irgend
einem Büro. Egal ob Blaumann oder Seidenkrawatte - niemals
wieder werde ich für irgend jemand anderen arbeiten, mir
Arbeitszeiten vorgeben lassen und mich mit einem festen
"Lohn" abspeisen lassen.


"Aber ich brauche das Geld!!" hörte ich seitdem viele Leute
sagen, wenn sie von ihrem verhassten Job sprechen.
Das stimmt: Sie brauchen ein Auto (um in die Arbeit zu
fahren) und dann brauchen sie tolle Klamotten (in der Arbeit
muss man ja was darstellen) und dann brauchen Sie Geld für
"Shopping" (um sich von dem Arbeitsstress zu erholen) und
Geld fürs Ausgehen (Erholung von der Arbeit) und natürlich
braucht man auch mal eine Urlaubsreise (die Arbeit ist ja so
anstrengend, da will man sich auch mal was gönnen).
Merkt hier irgend jemand ausser mir was?


Jetzt höre ich schon wieder die Gegenstimmen.
"Soll ich etwa unter der Brücke schlafen?"
"Ich habe Kinder, sollen die in Armut aufwachsen?"
"Haus abbezahlen..."

Ja, ist ja recht. Ich habe auch ein Auto, Haus, Kind(er) und
kaufe Gemüse im Bioladen, wo es nicht gerade günstig ist...
Und dennoch muss ich nicht jeden Tag irgendwohin, wo es mir
gar nicht gefällt.

"Ja, Tom, bei dir mag das gehen, du bist ja auch genial,
aber bei mir ist das ganz anders, weil..."

OK. Ist ja in Ordnung, wer es so haben will, bittesehr.
Macht es so und geht daran kaputt, ich schaue euch zu und
amüsiere mich an diesem gigantischen Hamsterrad.

"Was soll ich tun??" fragst du jetzt, weil es dir dämmert,
dass nicht alles richtig läuft?

Ich habe einen Spitzengeheimtipp:
Psst, top secret. Ja nicht weiterverraten. Psssst, nur für
dich. Ich kann doch auf deine Verschwiegenheit vertrauen?
OK, ist auch sonst keiner da? Nein. Gut, hier ist er, der
Ratschlag, der so geheim ist, dass ihn niemand kennt:

1.) Kauf nicht so viel Müll.
2.) Arbeite weniger.

An dieser Geheimformel haben Wissenschaftler aus über 70
Nationen weit mehr als 150 Jahre gearbeitet.
Und im Lebenswert-Rundbrief erblickt sie nun zum ersten Mal
das Licht der Welt.
Aber vorsicht: Dies könnte(!!!) ein Schritt zum Glück sein.
Daher: Ja nicht ausprobieren!!

Eine schöne Inspiration dazu bietet das nett zu lesende und
sicher inspirierende Buch "Lazy Way to Success" ("Der
faule/gemütliche Weg zum Erfolg"). Keine Sorge, es ist in
deutscher Sprache, lustige Zeichnungen dabei, kannste hier
bestellen (mit Rückgaberecht, du weisst schon...):
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3933496810/heg-21


Doch ich komme vom Thema ab, wollte ich doch an dieser
Stelle nur von mir schreiben und dich, lieber Leser, in
meinen egozentrischen Monolog gar nicht einbetten.

To make a long story short, wie die Amis sagen:

Dem deutschen Arbeitsmarkt war ich nie wirklich Freund.
Niemals wieder (Ausnahme: Zwangsrekrutierung bei der
Bundeswehr) war ich seitdem irgendwo angestellt. Worte wie
Renten- und Arbeitslosenversicherung kenne ich nur aus dem
Fernsehen und ich meinte bis vor kurzem, die machen da einen
Witz und das ist ein Film anstatt den Nachrichten.


Ein letztes Wort noch zur Klarstellung:

Dich ärgern meine Aussagen?
Sehr gut, dann stimmt bei dir was nicht und der Text hat
einen wunden Punkt erwischt, den es zu heilen gibt.

Du freust dich, weil der Rundbrief heute so lebendig und
lange ist?
Sehr gut, dann bist du unverwundbar und es passt. Egal, ob
du Unternehmer bist und 8 oder 80 Stunden in der Woche
arbeitest oder Angestellter und Arbeiter auf Teilzeit oder
Vollzeit und eine gigantische Summe in die zum Tode
verurteilte Rentenversicherung wirfst - hauptsache ist, es
passt dir. Denn es gibt auf dieser Welt so viele "richtige"
Wege, wie es Menschen gibt. Nur weil der Tom das so und so
macht, muss das nicht für einen zweiten Menschen auf dieser
Welt stimmen.

Achte also auf deine Gefühle.
Achja: Und verwechsle bitte Abstumpfung und
Hoffnungslosigkeit nicht mit Zufriedenheit.

Wenn du dich ärgerst - alles klar.
Wenn nicht, dann schau noch einmal ganz genau, ob es
Abstumpfung oder Zufriedenheit ist, die ein intensives
Gefühl nicht aufkommen lässt.


Jetzt reichts aber.

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